Urge Overkill – Emmaline

Eigentlich bin ich kein wirklicher Punk. Innerlich, also von der Haltung her schon, aber äußerlich bin ich wohl eher das Gegenteil, sprich: Popper. Je älter ich werde, desto mehr genieße ich das Feingeklöppelte und schön Ziselierte. Ich suche nach dem perfekten Songwriting und liebe den dicken Apparat, also fette Orchester. Aber ach, 3 Tage später erwische ich mich dabei, Deltablues zu hören oder irgend einen Folksong abzufeiern. Ich bin unbeständig wie die FDP, weiß aber genau, was ich nicht will. Ich mag nicht wirklich Rock mit seinen Posen und engen Hosen und Pommesgabelzeigende Menschen, die darauf ihr Haupt hektisch nicken und Luftgitarre spielen. Ja, die Welt ist frei und jede/r soll machen, was gut tut. Trotzdem ergreift mich beim Anblick und Anhören dieser Art Rock eine gewisse Scham. Was mir auch abgeht – und das wird schnell abgehandelt – ist das meiste, was man Techno nennt.

Aber zurück zum Rock. 99,7% davon bedeutet mir wenig bis nichts. Wobei ich erst neulich im Talking-Heads-Wiki-Artikel las, sie seien eine Rockband. Ich liebe die Talking Heads, also scheint es eher ein Problem der Begriffserklärung zu sein. Ich mag die Machopose nicht, wenn sie ernst gemeint ist. Ich mag kein wehendes Haar im Wind und langatmige Gitarrensoli. Ich mag zwar Pathos, aber nicht… Du verstehst, ja?

Umso absonderlicher, wie sehr mich Urge Overkills „Emmaline“ unter die Haut geht. Gleich zu Anfang ein Gitarrenjam, aber ein wirklich verdammt guter. Clevere Breaks, die Band ist tight wie die Hosen von Freddy Mercury. Und ja, ich bin ein Fan des Songs, der ursprünglich „Emma“ lautete und von Hot Chocolate stammt und von Sisters of Mercy interessanterweise gecovert wurde. Aber diese Version ist König. Hier wird gejammert und gekreischt und geheult, dass sich die Balken biegen. Tatsächlich ist die Story so dünn wie die Waden von Freddy Mercury sind (nein, ich mag Queen. Zumindest bis „News of the World“), aber welche Inbrunst sich da Bahn macht, das ist hohe Dramenkunst.

Und wie „Emmaline“ beginnt, endet es: im Jam. Ich wußte gar nicht, dass mir Jams gefallen könnten. Scheint darauf anzukommen, wer jamt. Urge Overkill können es.

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