Echo and the Bunnymen – Going Up

Das erste Lied der ersten Seite der ersten Platte. Eigentlich ist dieses Thema ein eigenes Buch wert. Bei Echo and the Bunnymen beginnt das erste Lied der ersten Seite der ersten Platte unbestimmt, flirrend. Gitarren zirpen, eine Art Echolot piept, eine andere Gitarre geht mit dem Bottleneck die Seiten runter. Da kommt von hinten, aus dem Dunkel erst leise, dann immer lauter die Band herangalopiert, als wären es die vierReiter der Apokalypse. Bedrohlich, rasend. Doch dann bremsen sie ab, um Gesang, einen Riff, einen energetischen, aber langsameren Beat zu schlagen. Es geht aufwärts. Aber es geht auch abwärts. So der Schluss. Der vermeintliche Schluss. Denn nun geht der Song nochmals langsamer weiter. Nein, er blendet aus. Flowers in the air. Taumeln, Träumen, Schwanken.

Die Verweise sind klar: wir kennen Punk, aber auch die Psychedelic der 60er. Going Up ist eines der stärksten Opener einer Debutplatte, die ich kenne. Hier wird alles skizziert, was die Band im Gesamten ausmacht: Der Alarmgesang, die verhallten Gitarren, die Kraft und die Schönheit. Going Up ist absonderlich in seinen Aufbau. In knapp 4 Minuten werden eigentlich 4 Ebenen aufgebaut. Das Chaos zu Beginn, die heranrollenden Gitarren als eine Art Bridge, dann der eigentliche Song samt Gesang und schließlich das taumelartige Dreampop-Ende. Das ist Fülle, einfach so aus der Lameng. Weil man es kann und eigentlich nicht besser weiß.

Das mit zuerst Druck machen und dann langsamer werden ist dramaturgisch eigentlich meist umgekehrt der Normalfall. Also zuerst zart, dann hart. Echo and the Bunnymen machten es auf ihrem allerersten Song auf LP genau andersrum. Das hat Verve, Mut, jugendlichen Überschwang, Kraft.

Franz Ferdinand haben ca. 20 Jahre später den Gedanken von „zuerst schnell und dann langsam“ in Form von Take me out wiederholt.

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